Juli 2020, HF FOTOGRAFIE
FESTUNGEN
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Im Festungsgürtel Kreuzlingen waren einst über 80 Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg zu zählen. Eine Handvoll sind heute normal ins Dorfbild integriert, wie dieser Infantriebunker in Triboltingen, dem westlichen Ende des Festungsgürtels.
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Obwohl die Existenz der Bunker bis in die 80er-Jahre ein Tabuthema war, sieht man die Bauten oft aus dem Zug, von der Strasse aus oder auf einem Spaziergang.
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Der Gürtel rund um Kreuzlingen macht sich nicht nur anhand klotziger Betonbauten erkennbar, sondern beispielsweise auch an Panzersperren, welche teilweise noch bis heute erhalten sind. Grösstenteils wurden diese jedoch laufend entfernt.
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Am östlichen Ende des Festungsgürtels findet sich das Infozentrum des «Verein Festungsgürtel Kreuzlingen». Der einstige Infantriebunker in Bottighofen ist heute wieder vollständig eingerichtet und für Führungen zugänglich. Er dient als Hauptquartier des Vereins.
Max Gutjahr ist Mitglied im Verein und sorgt sich als sogenannter «Bunkergötti» gleich um mehrere Bunker. Mit viel Freude und Hintergrundwissen erzählt er von der Geschichte des Festungsgürtels und wie dieser vom Verein instand gehalten wird.
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Da die Bunker immer wieder Opfer von Beschädigungen, Schmierereien oder sogar Einbruchsversuchen sind, ist sich der Verein bewusst, auf die Sicherheit zu achten.
Dieser Bunker ist fast fertig restauriert und eingerichtet. Einige Sachen aus der Kriegszeit können jedoch heute nur noch schwer oder gar nicht mehr angeschafft werden.
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Ein Teil der Ausstattung kann jeweils direkt aus dem Lager der Armee übernommen werden. Die Armee arbeitet mit vielen Vereinen dieser Art zusammen, um altes Material nicht entsorgen zu müssen, wie es einst einmal war.
Nebst einem Infantriebunker ist Max Gutjahr ebenfalls «Götti» des Schindler Bunkers am Pfaffenweiher im Lengwiler Wald. Ist man einmal im «Zuckerhut» drin, fällt einem sofort auf, wie eng der Innenraum eigentlich ist.
Der Schindler Bunker ist aufgrund seiner Lage am Wegrand vielen Spaziergängern der Umgebung bekannt. Nach dem Ende der Renovation hat die Tochter Gutjahrs dem Bunker wieder Farbe verleiht.
Hansjörg Federle ist stark engagiert im Verein. Der ehemalige Polizist ist ebenfalls «Bunkergötti» und arbeitet am Infantriebunker «Weiherhau». Der Standort seines Bunkers ist einer der idyllischsten im Festungsgürtel.
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Der Bunker, um den sich Hansjörg Federle kümmert, noch nicht fertig renoviert und ausgerüstet. Die Armee hat auf Verlass der Bauten nämlich sogar alle Kabel und Leitungen entfernt.
Nur wenige Meter von seinem «Götti-Bunker» entfernt, sorgt Hansjörg Federle ebenfalls einem atomsicheren Unterstand im Wald.
Die Eingänge der waffenlosen Unterstände sind meist sehr ähnlich gebaut. Hier wurde zum Schutz nachträglich ein schliessbares Gitter installiert. Es gibt jedoch auch Ausführungen, deren Eingang mitten auf der Wiese eines Bauern liegt.
Der Gang des atomsicheren Unterstands bietet nicht viel Platz. Der eigentliche Mannschaftsraum ist ebenfalls in Röhrenform gebaut.
Andere Unterstände sind als, in den Boden gesenkte, Kugeln konstruiert. Durch erhöhen des Deckels konnte, durch den entstandenen Schlitz, unbemerkt Ausschau gehalten werden.
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Max Gutjahr zeigt einen Sanitätsunterstand nahe dem Lengwiler Weiher. Dieser ist in ähnlichem Zustand, wie ihn die Armee zurückgelassen hat.
Wasser war zu aktiven Zeiten in vielen Bunkern über eine handbetriebene Pumpe verfügbar. Auch Frischluft wurde per Kurbel in den Innenraum gepumpt.
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Nicht alle Kriegsbauten überstehen ewig. Beispielsweise musste eine der speziellsten Ausführungen im Sommer 2019, dem neuen Perron des Bahnhofs Lengwil weichen. Der einstige Infantriebunker, getarnt als Holzlager, kann heute dank einer Zusammenarbeit des Vereins und des Amt für Archäologie Thurgau, von einer Plattform aus betrachtet werden.